Energiekosten im Betrieb dauerhaft senken

Energiekosten im Betrieb dauerhaft senken
Energiekosten im Betrieb dauerhaft senken

Ein mittelständischer Betrieb mit 20 Mitarbeitern und eigenem Bürogebäude zahlt schnell 15.000 bis 25.000 Euro Strom pro Jahr. Für viele Unternehmen ist der Energieposten nach Personalkosten und Miete die drittgrößte Fixausgabe, und trotzdem wird er seltener hinterfragt als ein Softwareabo für 30 Euro im Monat. Das ist ein Fehler, der sich Jahr für Jahr wiederholt.

Warum Gewerbestrom teurer ist als gedacht

Gewerbliche Stromtarife funktionieren anders als Haushaltstarife. Neben dem reinen Arbeitspreis pro Kilowattstunde kommen Netzentgelte, Messentgelte, Konzessionsabgaben und die Stromsteuer hinzu. Letztere beträgt nach dem Stromsteuergesetz aktuell 2,05 Cent pro Kilowattstunde für gewerbliche Abnehmer, sofern keine Befreiungstatbestände greifen. Produzierendes Gewerbe kann unter bestimmten Bedingungen Entlastungsanträge stellen, was viele Betriebe schlicht nicht wissen.

Hinzu kommt: Wer keinen aktiven Tarifwechsel vorgenommen hat, landet automatisch in der Grundversorgung des lokalen Netzbetreibers. Diese Tarife liegen regelmäßig 20 bis 35 Prozent über den günstigsten Marktangeboten. Ein Handwerksbetrieb mit einem Jahresverbrauch von 40.000 Kilowattstunden zahlt dort schnell 3.000 bis 5.000 Euro mehr als nötig.

Der erste Schritt: Verbrauch verstehen

Bevor ein Unternehmen den Anbieter wechselt, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wie hoch ist der tatsächliche Jahresverbrauch? Gibt es Lastspitzen, zum Beispiel durch Produktionsmaschinen, die morgens gleichzeitig anlaufen? Solche Lastspitzen können bei Leistungspreistarifen die Abrechnung deutlich verteuern, weil nicht nur der Verbrauch, sondern auch die maximale Leistungsabnahme in Kilowatt berechnet wird.

Hilfreich ist dabei ein Blick auf die Jahresrechnung des Vorjahres sowie, wenn vorhanden, auf die Daten eines Smart Meters. Moderne Zähler liefern Viertelstundenwerte, aus denen sich Verbrauchsmuster ablesen lassen. Das Umweltbundesamt stellt regelmäßig Daten zum Energieverbrauch nach Sektoren bereit, die als Vergleichsgrundlage dienen können.

Tarifvergleich und Anbieterwechsel

Der Wechsel des Stromanbieters ist für Gewerbetreibende rechtlich unkompliziert und dauert in der Regel vier bis sechs Wochen. Entscheidend ist, Angebote nicht nur nach dem Kilowattstundenpreis zu vergleichen, sondern auch Grundpreise, Vertragslaufzeiten und Preisgarantien zu berücksichtigen. Kurzlaufende Verträge mit zwölf Monaten bieten mehr Flexibilität, längere Bindungen können mit günstigeren Konditionen verbunden sein. Wer Stromkosten im Unternehmen senken will, sollte Angebote systematisch gegenüberstellen und dabei auch die Nebenkosten jenseits des reinen Arbeitspreises einbeziehen.

Wichtig: Kündigen Sie den bestehenden Vertrag fristgerecht, bevor der neue Anbieter die Versorgung übernimmt. Doppelzahlungen entstehen zwar selten, aber eine saubere Übergabe erfordert Koordination. Die meisten Anbieter übernehmen die Abmeldung beim alten Versorger auf Wunsch.

Interne Maßnahmen mit echter Wirkung

Tarifoptimierung allein reicht selten aus. Parallel dazu lohnt es sich, den Verbrauch selbst zu senken. Die folgenden Maßnahmen haben in der Praxis nachweisbare Effekte:

  • Beleuchtung auf LED umrüsten: LED-Leuchten verbrauchen gegenüber älteren Leuchtstoffröhren bis zu 50 Prozent weniger Strom. Bei einem Büro mit 30 Arbeitsplätzen amortisiert sich die Umrüstung häufig innerhalb von zwei Jahren.
  • Standby-Verluste eliminieren: Server, Drucker und Kaffeemaschinen im Dauerbetrieb summieren sich. Schaltbare Steckdosenleisten und automatische Abschaltzeitpläne können den Grundlastverbrauch um 5 bis 10 Prozent senken.
  • Heizung und Klimaanlage optimieren: Klimaanlagen gehören zu den größten Einzelverbrauchern. Nachtabsenkung und bedarfsgesteuerte Regelung sparen erheblich, ohne den Komfort spürbar zu beeinträchtigen.
  • Lastspitzen glätten: Wer Maschinen zeitversetzt startet statt gleichzeitig, vermeidet hohe Leistungsspitzen, die bei entsprechenden Tarifen direkt die Rechnung treiben.

Photovoltaik als mittelfristige Option

Für Betriebe mit eigenem Gebäude und ausreichend Dachfläche ist eine Photovoltaikanlage eine ernstzunehmende Option. Der selbst erzeugte Strom ist nach einer Amortisationszeit von acht bis zwölf Jahren faktisch kostenlos. Zudem sind Unternehmen mit Eigenverbrauch weniger anfällig für Preisschwankungen am Strommarkt.

Laut Angaben des Wikipedia-Artikels zur Photovoltaik lagen die Kosten für Solarmodule in den letzten zehn Jahren um mehr als 80 Prozent unter dem Niveau von 2010. Das macht Eigenstromerzeugung auch für mittlere Betriebe wirtschaftlich attraktiver als je zuvor. Kombiniert mit einem Batteriespeicher lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf 60 bis 80 Prozent des Gesamtverbrauchs steigern, was die Abhängigkeit vom Netztarif deutlich reduziert.

Energieaudit und staatliche Förderung nutzen

Unternehmen ab 250 Mitarbeitern sind nach dem Energiedienstleistungsgesetz zur Durchführung eines Energieaudits verpflichtet. Kleinere Betriebe können freiwillig von einer solchen Analyse profitieren, denn ein professionelles Audit deckt Einsparpotenziale auf, die intern oft nicht sichtbar sind.

Für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen gibt es Förderprogramme des Bundes, unter anderem über die BAFA und die KfW. Diese Programme werden regelmäßig angepasst, weshalb sich ein aktueller Blick auf die offiziellen Seiten lohnt, bevor eine Investition geplant wird. Wer diese Förderung ignoriert, verzichtet im Einzelfall auf Zuschüsse von 20.000 Euro und mehr.

Am Ende gilt: Energiekosten sind keine unveränderliche Größe. Wer Verbrauch, Tarif und Infrastruktur gemeinsam betrachtet, kann in einem mittelständischen Betrieb realistisch 15 bis 30 Prozent der jährlichen Stromkosten einsparen. Das ist kein theoretischer Wert, sondern das Ergebnis, das viele Unternehmen nach einem konsequenten Optimierungsprozess tatsächlich erreichen.

Über Marcus Bauer 81 Artikel
Marcus Bauer ist gelernter Bilanzbuchhalter (IHK) mit 12 Jahren Praxiserfahrung in Kanzleien für mittelständische Mandate. Schwerpunkte: Gründungsberatung, EÜR und Umsatzsteuer für Solopreneurs, GbR- und GmbH-Strukturierung. Seit 2019 als freier Berater tätig und Co-Autor des Praxisleitfadens 'Selbstständig richtig starten' (BWS-Verlag). Bei Business Blogmagazin verantwortet er die Cluster Gründung, Steuern, Buchhaltung und Wirtschaftsrecht.