Wer in einem mehrstöckigen Altbau oder einem Büro mit dicken Bestandswänden arbeitet, kennt das Problem: Der Router steht im Erdgeschoss, der Arbeitsplatz im zweiten Stock, und die Verbindung bricht regelmäßig weg. Ein WLAN-Repeater soll dann als verlängerter Arm des Heimnetzes funktionieren. Ob das mit moderner Wi-Fi-6-Technik besser klappt als mit älteren Geräten, zeigt ein Blick auf den RE700X von TP-Link.
Was Dual-Band in der Praxis bedeutet
Dual-Band bedeutet, dass ein Gerät gleichzeitig auf zwei Frequenzbändern sendet und empfängt: dem 2,4-GHz-Band und dem 5-GHz-Band. Das 2,4-GHz-Band überträgt langsamer, durchdringt Wände aber deutlich besser. Das 5-GHz-Band liefert höhere Datenraten, verliert jedoch schon über wenige Meter an Stärke. Ein Repeater, der beide Bänder beherrscht, kann die Verbindung zum Router über 5 GHz aufrechterhalten und Endgeräte gleichzeitig über 2,4 GHz versorgen. Das klingt nach einer eleganten Lösung, hat aber einen Haken: Teilt sich der Repeater dasselbe Band für Empfang und Weiterleitung, halbiert sich der Durchsatz rechnerisch. Der RE700X löst das über eine sogenannte High-Speed-Backhaul-Verbindung auf dem 5-GHz-Band.
Technisch basiert das Gerät auf dem IEEE-802.11ax-Standard, der unter dem Marketingnamen Wi-Fi 6 bekannt ist. Gegenüber Wi-Fi 5 bringt dieser Standard vor allem Verbesserungen in dicht belegten Netzen: OFDMA erlaubt es, mehrere Geräte gleichzeitig zu bedienen, statt sie nacheinander abzuarbeiten. In einem Haushalt mit zehn oder mehr vernetzten Geräten macht das einen spürbaren Unterschied.
Einrichtung und erste Messungen
Die Inbetriebnahme läuft über die Tether-App oder per WPS-Knopfdruck in unter drei Minuten. Das Gerät sucht sich selbst den optimalen Standort, sofern man es in der Nähe des Routers startet und danach in Richtung Versorgungslücke verschiebt. Eine LED zeigt per Farbcode an, ob der Abstand zum Router noch ausreichend ist. Grün bedeutet gute Verbindung, Rot zu weit entfernt, Orange Grenzbereich.
Ein ausführlicher TP-Link RE700X Praxistest zeigt, dass der Repeater im 5-GHz-Band Durchsatzwerte von über 1.200 Mbit/s unter idealen Bedingungen erreicht, während das 2,4-GHz-Band theoretisch bis zu 574 Mbit/s liefert. In einem realen Wohnumfeld mit zwei Betonwänden zwischen Router und Repeater lagen die gemessenen Werte deutlich darunter, blieben aber für Streaming in 4K und Videokonferenzen ausreichend stabil.
Wo der Repeater seine Grenzen zeigt
Ein Repeater ist kein Ersatz für ein durchgängiges Mesh-System. Wer zwischen dem Originalnetz und dem Repeater-Netz wechselt, erlebt je nach Gerät und Betriebssystem kurze Verbindungsunterbrechungen. Der RE700X unterstützt zwar eine einheitliche SSID, sodass sich Smartphones und Laptops theoretisch nahtlos verbinden sollen, aber das tatsächliche Roaming-Verhalten hängt stark vom Endgerät ab. Ältere Android-Geräte halten sich an eine einmal gewählte Station oft länger fest, als es sinnvoll wäre.
Ein weiterer Punkt betrifft die Positionierung. Der Repeater benötigt eine freie Steckdose an einem Ort, an dem das Ursprungsnetz noch mit mindestens 50 Prozent Signalstärke ankommt. In einem Altbau mit unregelmäßig verteilten Steckdosen kann das zur Kompromisslösung werden.
Strom und Energieverbrauch
Der Betrieb eines dauerhaft aktiven Netzwerkgeräts kostet Strom. Der RE700X gibt im Leerlauf rund 7 Watt ab, unter Last bis zu 10 Watt. Bei einem angenommenen Dauerbetrieb von 8.760 Stunden pro Jahr und einem Strompreis von 0,30 Euro pro Kilowattstunde entstehen Kosten von etwa 18 bis 26 Euro jährlich. Das ist überschaubar, aber nicht null. Wer mehrere solcher Geräte betreibt, sollte das in der Haushaltsrechnung berücksichtigen.
Aktuelle Verbrauchsdaten und Einsparpotenziale für Haushaltsgeräte veröffentlicht das Umweltbundesamt regelmäßig auf seiner Website. Für die Einordnung einzelner Geräte lohnt sich ein Blick in die dortigen Publikationen zum Thema Stromverbrauch im Haushalt.
Für wen lohnt sich das Gerät
Der RE700X richtet sich an Nutzer, die bereits einen Wi-Fi-6-Router besitzen und dessen Abdeckung erweitern wollen, ohne auf ein vollständiges Mesh-System umzusteigen. Wer noch mit Wi-Fi 5 oder älter arbeitet, profitiert von den Wi-Fi-6-Vorteilen des Repeaters nicht vollständig, da der Router als Engpass bleibt. Das Gerät passt gut in folgende Szenarien:
- Homeoffice-Arbeitsplatz in einem anderen Stockwerk als dem Router
- Kleine Büros mit einem zentralen Internetzugang und mehreren entfernten Arbeitsplätzen
- Altbauwohnungen, in denen ein zweiter Router wirtschaftlich nicht sinnvoll ist
- Nutzer, die ihre Netzwerkausstattung schrittweise auf Wi-Fi 6 umstellen
Nicht geeignet ist der RE700X für sehr große Flächen über mehrere Gebäudebereiche hinweg oder für Umgebungen, in denen latenzempfindliche Anwendungen wie Online-Gaming oder Echtzeit-Videoübertragung im Vordergrund stehen. Dort ist ein strukturiertes Netzwerk mit Access Points und kabelgebundener Backbone-Verbindung die sinnvollere Lösung.
Einordnung und Fazit
Der RE700X ist ein solides Gerät für einen klar definierten Anwendungsfall. Die Einrichtung gelingt auch ohne tiefes Netzwerkwissen, die Dual-Band-Technik arbeitet zuverlässig, und die Wi-Fi-6-Unterstützung macht das Gerät zukunftssicherer als Vorgängermodelle. Wer die Grenzen eines Repeaters kennt, wird mit dem Gerät keine Enttäuschung erleben. Wer ein vollwertiges Mesh-System erwartet, sollte gezielt nach Alternativen suchen.
Für technisch interessierte Nutzer lohnt sich zudem ein Blick in die Normungsarbeit des DIN-Instituts, das auch im Bereich Informationstechnik und Netzwerknormung tätig ist und Hintergründe zu technischen Standards dokumentiert. Das hilft beim Vergleich unterschiedlicher Geräte, die nominell denselben Standard erfüllen, sich in der Praxis aber spürbar unterscheiden können.


