Die Rürup-Rente (offiziell: Basisrente) ist für Selbstständige ohne Pflicht-Rentenversicherung das steuerstärkste Altersvorsorge-Instrument. Beiträge sind 2026 zu 100 Prozent als Sonderausgabe absetzbar — bis zu 27.566 Euro für Ledige, 55.132 Euro für Verheiratete. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent spart ein Solopreneur, der 10.000 Euro jährlich einzahlt, 4.200 Euro Steuern. Das klingt gut — hat aber einen Haken: das Geld ist bis zum Rentenalter gebunden und kann nur als monatliche Rente ausgezahlt werden, nicht als Einmalbetrag.
Wie funktioniert die Rürup-Rente?
Die Rürup-Rente ist ein privater Vorsorgevertrag, dessen Beiträge steuerlich absetzbar sind. Im Gegenzug wird die Rente im Alter versteuert (nachgelagerte Besteuerung). Es gibt keine Kapitalauszahlung — nur eine lebenslange Monatsrente ab frühestens 62 Jahren.
Einzahlungsphase: Beiträge sind flexibel — monatlich, jährlich oder als Einmalzahlung. Kein Mindestbeitrag, Höchstbetrag 2026: 27.566 € (Ledige) / 55.132 € (Verheiratete). Die Beiträge werden als Sonderausgaben in der Steuererklärung (Anlage Vorsorgeaufwand) angegeben.
Steuerlicher Abzug: Seit 2023 sind 100 % der Beiträge absetzbar (vorher stufenweise Anhebung). Bei 10.000 € Jahresbeitrag und 42 % Grenzsteuersatz: 4.200 € Steuerersparnis. Die effektiven Kosten der Vorsorge betragen also nur 5.800 €.
Auszahlungsphase: Ab frühestens 62 Jahren wird eine lebenslange Monatsrente gezahlt. Diese wird mit dem persönlichen Steuersatz versteuert (für 2026-Rentner: 84 % der Rente steuerpflichtig, steigt auf 100 % bis 2058). Da die meisten Rentner einen niedrigeren Steuersatz haben als während der Erwerbsphase, entsteht ein Steuervorteil.
Keine Kapitalauszahlung: Anders als bei privater Rentenversicherung oder ETF-Depot kann das angesparte Kapital nicht auf einmal entnommen werden. Es gibt nur die monatliche Rente — kein Zugriff vorher, keine Teilentnahme, kein Rückkauf.
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Wann lohnt sich Rürup — und wann nicht?
Rürup lohnt sich bei hohem Grenzsteuersatz (ab 35 %), stabilem Einkommen über 50.000 € Jahresgewinn und wenn die Liquiditäts-Rücklagen bereits stehen. Rürup lohnt sich nicht bei niedrigem Steuersatz, unsicherem Einkommen oder wenn das Geld für die nächsten 20+ Jahre nicht gebunden werden kann.
Lohnt sich: Grenzsteuersatz ab 35 % (≈ ab 50.000 € zu versteuerndem Einkommen), stabile Einkommensbasis, Liquiditäts-Rücklage von 6+ Monaten bereits vorhanden, Alter unter 55 (genug Ansparzeit), kein Bedarf an flexibler Kapitalauszahlung.
Lohnt sich eingeschränkt: Bei Grenzsteuersatz 25–35 % ist der Steuervorteil geringer — alternative Vorsorge (ETF-Sparplan) kann flexibler und renditeträchtiger sein. Rechenbeispiel prüfen lohnt sich.
Lohnt sich nicht: Grenzsteuersatz unter 25 % (≈ unter 30.000 € Einkommen), Einkommen schwankt stark (Beiträge können zwar angepasst werden, aber einmal eingezahlt = gebunden), keine Liquiditäts-Rücklage (erst Rücklagen, dann Vorsorge), Wunsch nach Kapitalauszahlung oder Vererbbarkeit.
Vergleich ETF-Depot vs. Rürup: Ein ETF-Sparplan bietet volle Flexibilität (jederzeit verkaufen, vererbbar, als Einmalbetrag verfügbar), aber keinen Steuerabzug bei Einzahlung. Rürup bietet sofortigen Steuerabzug, aber keine Flexibilität. Die optimale Strategie für die meisten Solopreneurs: beides — Rürup für den Steuervorteil (fester Betrag/Jahr), ETF-Depot für Flexibilität und Vermögensaufbau.
Welche Anbieter sind empfehlenswert?
Drei Anbieter-Typen: fondsgebundene Rürup (ETF-basiert, höchste Renditechance — ETF Rürup von fairr/Raisin, CosmosDirekt), klassische Rürup (Garantiezins, geringere Rendite — Allianz, Debeka) und Honorar-Tarife (ohne Provisionen, niedrigste Kosten).
Fondsgebundene Rürup (empfohlen für unter 55-Jährige): Beiträge werden in ETFs angelegt (typisch: MSCI World oder FTSE All-World). Höhere Renditechance, aber Wertschwankungen. Anbieter: fairr/Raisin Pension (niedrige Kosten, ETF-basiert), CosmosDirekt (Flexibler VorsorgePlan Invest). Effektivkosten: 0,5–1,0 % p.a.
Klassische Rürup: Garantierter Mindestzins (aktuell 0,25 %), Überschussbeteiligung. Niedrigere Rendite, aber planbarer. Anbieter: Allianz, Debeka, Alte Leipziger. Effektivkosten: 1,0–2,5 % p.a. — die Kosten fressen einen erheblichen Teil der Rendite.
Honorar-Tarife: Ohne Abschluss- und Vertriebsprovision — stattdessen einmalige Beratungsgebühr. Niedrigste laufende Kosten, höchster Anteil des Beitrags fließt in die Anlage. Anbieter: über spezialisierte Honorarberater (Verbraucherzentrale, BVVB-zertifiziert).
Wichtig: Effektivkosten vergleichen, nicht den Garantiezins. Ein fondsgebundener Tarif mit 0,6 % Effektivkosten schlägt langfristig einen klassischen Tarif mit 2,0 % Effektivkosten — selbst bei moderater Marktrendite.
Häufige Fragen zur Rürup-Rente
Praxis-Fragen.
Kann ich einen Rürup-Vertrag kündigen?
Nein — Rürup-Verträge sind nicht kündbar. Die Beiträge können auf 0 € reduziert werden (Beitragsfreistellung), aber das angesparte Kapital bleibt bis zur Rente gebunden. Vor Abschluss genau prüfen, ob die Bindung akzeptabel ist.
Ist die Rürup-Rente vererbbar?
Nur eingeschränkt. Bei Tod vor Rentenbeginn: je nach Vertrag Rückzahlung der Beiträge an Ehepartner/Lebenspartner (nicht an Kinder oder andere Erben). Bei Tod nach Rentenbeginn: Hinterbliebenenrente an Ehepartner möglich, wenn vertraglich vereinbart. Keine Kapitalauszahlung an Erben.
Kann ich Rürup und private Rentenversicherung kombinieren?
Ja — und das ist empfehlenswert. Rürup für den Steuerabzug (fester Jahresbeitrag), private Rentenversicherung oder ETF-Depot für Flexibilität und Vererbbarkeit. Beide ergänzen sich.
Wie trage ich Rürup-Beiträge in der Steuererklärung ein?
In der Anlage Vorsorgeaufwand, Zeile 8 (Beiträge zu zertifizierten Basisrentenverträgen). Der Versicherer sendet eine jährliche Bescheinigung mit dem einzutragenden Betrag.
Quellen
Rechtsquellen und Informationsquellen.
- EStG § 10 Abs. 1 Nr. 2 — Sonderausgabenabzug für Basisrentenverträge.
- AltZertG — Gesetz über die Zertifizierung von Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen.
- BaFin — Merkblatt zu Basisrentenverträgen (Rürup-Rente).
- Stiftung Warentest / Finanztest — aktuelle Tests fondsgebundener Rürup-Tarife.
- Verbraucherzentrale — unabhängige Beratung zu Altersvorsorge für Selbstständige.
Die Rürup-Rente ist kein Allheilmittel — sie ist ein Steuer-Werkzeug mit klaren Stärken und klaren Schwächen. Für Solopreneurs mit Grenzsteuersatz ab 35 % und stabilen Einkommen ab 50.000 € ist sie der effektivste Vorsorge-Baustein: 4.200 € Steuerersparnis bei 10.000 € Einzahlung, insolvenz- und pfändungssicher, Hartz-IV-geschützt. Der Haken — keine Kapitalauszahlung, keine Vererbbarkeit an Kinder, keine Kündigung — macht sie zum falschen Instrument für Personen mit unsicherem Einkommen oder Flexibilitäts-Bedarf. Pragmatische Empfehlung: Rürup als fester Baustein (5.000–10.000 €/Jahr), ETF-Sparplan als flexibler Baustein (gleicher oder höherer Betrag), und 6 Monate Liquiditäts-Rücklage als Fundament darunter. Erst die Rücklage, dann die Vorsorge.
- 100 % absetzbar 2026 — bis 27.566 € (Ledige) / 55.132 € (Verheiratete).
- Steuerersparnis: Bei 42 % Grenzsteuersatz = 4.200 € bei 10.000 € Einzahlung.
- Lohnt sich ab 50.000 € Jahresgewinn und Grenzsteuersatz 35 %+.
- Keine Kapitalauszahlung — nur Monatsrente ab 62, nicht vererbbar an Kinder, nicht kündbar.
- Fondsgebundene Tarife (ETF-basiert) empfohlen — auf Effektivkosten unter 1 % achten.
- Rürup + ETF-Depot = optimale Kombination aus Steuervorteil und Flexibilität.
